Softwareindustrie

Geschäftsmodelltyp der Softwareindustrie

Mit dem MIT Business Model Archetypes (BMAs) kann in erster Linie das Schaffen von Werten in Unternehmen beschreiben. Davon abgeleitet lässt sich auch eine Typologie zur Differenzierung von Geschäftsmodellen erarbeiten.

Die Vielzahl der Geschäftsmodelle in der Softwareindustrie lässt sich anhand des BMAs gut darstellen. (Vgl. Popp/Mayer 2010) Die verwendeten Bezeichnungen sind aus dem Englischen übersetzt und im Deutschen i.w.S. analog zu verstehen. Read More

Merkmale von Softwareprodukten

Softwareunternehmen i.e.S. erstellen digitale Güter. Software gilt als immaterielles Wirtschaftsgut, auch wenn sie auf Datenträgern vertrieben wird (Vgl. Bundesfinanzhof 2011). Explizite Merkmale von digitalen Gütern sind die kostengünstige Reproduzierbarkeit der Software ohne Qualitätsverlust. Digitale Güter lassen sich darüber hinaus theoretisch weltweit vertreiben und on demand ausliefern. Softwareprodukte lassen sich, je nach Produkt und Preis, für unterschiedliche Kundengruppen und Märkte in variablen Ausführungen anbieten.

Auch hinsichtlich von Produktion und Reproduktion besitzt die Softwarebranche besondere Ausprägung. Die Erstellung der First Copy ist i.d.R mit hohen Investitionen verbunden. Bei Individualsoftwareanbietern kommt der Quellcode der First Copy ggf. nur einmal zum Einsatz, die Kosten der Herstellung werden i.d.R. an den Auftraggeber komplett übertragen.

Bei einem Standardsoftwareanbieter hingegen liegt das Risiko der Entwicklungskosten auf Seiten des Anbieters. Diese Anfangsinvestition werden als Sunk Cost bewertet (Buxmann 2010: 3, 23 f.)

Ein Nachteil digitaler Güter ist deren leichte Reproduzierbarkeit. Speziell im Business-to-Customer Markt stellt die Verbreitung von unlizenzierten Raubkopien ein Geschäftsrisiko da. (Buxmann 2010: 23)

Ausprägung von Softwareunternehmen

In der Softwareindustrie werden die Angebote nach vier Kriterien unterschieden:

  1. Nach gewerblicher (B2B) oder nach privater (B2C) Nutzung.
  2. Softwareunternehmen im engeren Sinne stellen ein Softwareprodukt her. Softwareangebote im weiteren Sinne umfassen den Service der Implementierung und den Betrieb des Produktes.
  3. In Abhängigkeit zur „Hardwarenähe“ lässt sich die Software selbst in drei Stufen unterscheiden:
  • Systemsoftware, wie z.B. das Betriebssystem einer Hardware
  • systemnahe Software, z.B. Datenbanken oder Middleware
  • Anwendungssoftware sind z.B. Textverarbeitung oder Warenwirtschaftssysteme. Diese abhängig vom Betriebssystem zum Einsatz.
  1. Der Individualisierungsgrad der Softwareprodukte reicht von Individualsoftware, welche nach den speziellen Anforderungen des Anwenders maßgeschneidert programmiert wird bis hin zu Standardsoftware, welche i.d.R auf den Massenmarkt abzielt und den Bedarf einer breiten Zielgruppe anspricht, ohne das individuelle Spezifikationen vorgenommen werden. In der Praxis finden sich viele Beispiele zwischen den beiden Ausprägung wieder, z.B. Plattformkonzepte, bei denen Softwaremodule wiederverwendet und nur teilweise spezifiziert werden. (Vgl. Buhmann, 2011: 5-11, 189)

 

Als Softwareunternehmen i.w.S. zu verstehen ist das Cloud Computing, welches die bedarfsgerechte und flexible Nutzung von IT-Leistungen ermöglicht, wobei der Kunde die Leistung als Service über das Internet in Anspruch nimmt und nach seinem Nutzungsvolumen bezahlt. (Vgl. BITKOM 2009: 14) Das Cloud Computing gliedert sich in die Bereiche Software-, Platform- und Infrastructure-as-a-Service auf. (Vgl. Buhmann 2011: 10,11,142)

Softwareindustrie_Typen_Abbildung

Abb. 2.6 Softwareunternehmens- und Produktarten (Wiegelmann)